Sielmanns Natur-Ranger
Deutschland e.V.
Die Jugendorganisation der Heinz Sielmann-Stiftung
Buchwaldanzeiger
Rätsel
- Ich bin gleichsam der „Maikäfer unter den Schmetterlingen“, denn unsere Art vermehrt sich im Jahr mit nur einer Generation.
- Wie der Maikäfer nutzen wir das frühlingsfrisch sprießende Laub, wenn es noch nicht so viele Bitterstoffe produziert und gesammelt hat! (Auch Du solltest um diese Zeit mit einem: „Danke, Rotbuche und Entschuldigung“ ruhig einmal ein paar zitronig frische Blätter der Buchen probieren... Sei unvoreingenommen und neugierig – es schmeckt wirklich ganz gut!
- Vor der Paarung und der Eiablage sind die Weibchen unserer Art durch die vielen Eier im Hinterleib oft so schwer, dass sie kaum fliegen können.
- An halbsonnigen Lichtungen mit viel Buchenlaub sind wir farblich gut getarnt. Wir meiden die pralle Sonne, da wir nichts trinken und essen!
- Stellen wir plötzlich die Flügel auf, scheinen die Augen mit dem namensgebenden Fleck gemeinsam mit dem Hinterleib und zwei scharfen dunklen Linien beinahe das Gesicht eines Waldkauzes zu imitieren!
- Wir lieben die jungen Blätter der Rotbuchen, an denen sich unsere Raupen im Frühjahr satt fressen. An den jungen frischen Laubzweigen legen wir unsere kaffebraunen, etwas abgeflachten Eier.
- Unsere Raupen sind aber auch hungrig auf Blätter der Eichen und nehmen offenbar auch häufiger mal „Linde“, Birke, Ahorn oder einige holzige Rosengewächse (Apfel, Vogelkirsche, Weißdorn) zu sich.
- Von den Vertretern meiner Unter-Familie – den Agliinae bin ich die einzige Art hier in Mitteleuropa – insofern gleiche ich dem ebenfalls im Frühjahr blühenden Moschuskraut, welches Ihr an feuchten, frischen Stellen in Hainbuchenwäldern basenreicherer Böden ebenfalls antreffen könnt
Habt Ihr das Rätsel um den hübschen Falter schon gelöst?
Der Nagelfleck gehört zu den charakteristischen Faltern der Buchenwälder. An der nagelförmigen weißen Zeichnung, die oft bläulich oder braun hinterlegt ist, könnt ihr diesen Falter leicht erkennen. Gerade die Weibchen lassen sich im Frühjahr auch sehr gut fotografieren, da sie vor der Paarung und der Eiablage ziemlich träge sind und sich gut beobachten lassen. Die Tiere verlassen sich energieeinsparend auf ihre Tarnung! Als „Erwachsene“ haben sie keinen funktionsfähigen Saugrüssel mehr und können keine Nahrung aufnehmen. Ihre Lebenszeit ist daher recht gering und ihre Stressanfälligkeit (bei Trockenheit oder ggf bei einem Fang in der Sonne) sehr hoch! Allererste Exemplare tauchen manchmal schon im März auf. Die Hauptflugzeit der Art liegt zwischen Ende April und Mai. Die erwachsenen Tiere sterben nach der Paarung und der Eiablage meist sehr rasch. Die Eier werden sehr gerne an der Stammbasis von Buchen gelegt – meist in kleinen Gruppen. Wenn das Weibchen durch die Ablage einer größeren Eimenge „erleichtert“ ist, fliegt es auch oft umher und legt die restlichen Eier weiter oben an den Stamm und an dickere Zweige (Die Tiere müssen sich halten können!) Männchen haben im Gegensatz zu den größeren, dickeren Weibchen auch deutlich sichtbare Fühlerkämme, auf denen die vielen Geruchssinneszellen liegen, die fast ausschließlich dazu dienen, die Geruchsspur eines Weibchens aufzunehmen. Die Weibchen kriechen nach dem Schlupf aus der Puppenhülle und dem Aushärten der Flügel oft nur wenige Meter umher, um dann an einer Stammbasis oder auf einem Ast leicht oberhalb des Bodens ihren Lockstoff (Pheromon) abzugeben. Die männlichen Nagelflecken fliegen daher meist bodennah umher und warten darauf, eine Spur zu entdecken. Oft rasten sie hierbei in Bodennähe, wo sie durch ihre Buchenlaubtarnung in Ruhe nur schwer auszumachen sind.
Die Raupen des Nagelfleck
Haben nun zunächst die Aufgabe, nach dem Schlupf den Baum zu erklimmen und sind meist nur oben im Blattwerk zu finden. Dort geben sie eine willkommene Nahrung für die zahlreichen Räuber. Vom Pirol zum Eichelhäher über den Puppenräuber (einem der wenigen Laubkäfer, der auf Bäumen jagt!) alle haben sie zum Fressen gern! Eine Nagelfleck-Raupe muß sich auf ihre Tarnung verlassen! Du wirst sie daher nur mit viel Geduld oder zufällig entdecken…. Aber im Mai-Juni lassen sich die erwachsenen Raupen an seidenen Fäden herab auf den Waldboden, wo sie sich im Mulm oder an moosigen Stellen eingraben und verpuppen. Die Raupen sind grün und haben während der ersten drei Larvenstadien auffällige rotbraun-weiß gebänderte, beborstete Dornfortsätze – zwei jeweils an der Stirn und im Nacken und eein bis zwei einzelne Dornen am Hinterende.Im Vierten Larvenstadium (Bild) verlieren sie die Dornen. Oberhalb der weißen Seitenlinie sind die orangebraunen Stigmenöffnungen deutlich zu sehen (Durch die Stigmenöffnungen gelangt der Sauerstoff über die Tracheen in den Raupenkörper). Die Außenhaut ist „körnig- pickelig“ und im Nacken befindet sich ein verdickter „Höcker“ ähnlich einem Stier. Die Raupe hält sich nämlich gerne auf den dünnen Ästen der Futterpflanze fest und hebt ihren vorderen Teil in die Höhe. Das benötigt Kraft!
Die Beine im hinteren Teil der Raupe sind übrigens keine „echten Beine“. Die „echten“ Beine einer Raupe findest Du vorne an der Brust des Insektes. Die „falschen“ Nachschieber-Beine sind eigentlich nur Hautausstülpungen der Außenhaut.Verwandte des Nagelfleck
Zu der Familie der Pfauenspinner (Saturniidae) gehörend, wird der Nagelfleck einer speziellen Unterfamilie, den Agliinae (Nagelfleckfaltern) zugeordnet. Im Wort Agliinae hört man im vorderen Teil das Wort „Nagel“ schon beinahe heraus! Die andere Unterfamilie, die eigentlichen Pfauenspinner sind etwas bekannter. Dazu gehören auch das Große Nachtpfauenauge und das Kleine Nachtpfauenauge. Das Kleine Nachtpfauenauge legt seine Eier aber nie im Buchenwald, sondern an Schlehe, Pflaume und verschiedenste Pflanzen der Mager- und Trockenrasen. Als Sielmanns-Natur-Ranger kannst Du Dir ja merken, dass der Saturn, der der Familie der „Saturniidae“, den Pfauenaugenspinnern seinen Namen gab, auch „Ringe“ besitzt. Selbstverständlich können wir aber nicht alle Falter mit Augen oder „Ringen“ in einen Topf werfen.Zum Vergleich: Das bekannte Tagpfauenauge, der Admiral, der Kleine Fuchs, C-Falter und Distelfalter, sowie der Trauermantel und viele mehr gehören zu den Edelfaltern!
Hoffentlich ist ein wenig Lust auf „Nagelfleck-Jagd“ entstanden!
Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr vorher ja noch einige Fragen beantworten
- Welche Farbe haben die Eier des Nagelfleck?
- Wo können wir die Eier des Nagelfleck finden?
- Wann finden wir die Eier des Nagelfleck?
- Welche Hauptnahrungspflanze der Nagelfleck-Raupen kennst Du?
- Welchen klangvollen Wissenschaftlichen Namen trägt der Nagelfleck?
- Welcher baumbewohnende Lafkäfer könnte den Raupen an warmen Orten im Blätterdach gefährlich werden?
- Woran erkennst Du die Raupen?
- Was sind Stigmen?
- Was ist ein Pheromon?
- Wo finden wir männliche Nagelfleck-Falter häfig?
- Was ist das „Besondere“ bei Ihrer Ernährung?
- Fliegen trächtige Nagelfleck-Weibchen gerne?
- Welcher Familie gehört der Nagelfleck an?
- Nenne nahe Verwandte des Nagelfleck
- Nenne möglichst viele Schmetterlinge aus der Gruppe der Edelfalter
- Wenn Ihr besonders gut seid, könnt ihr vielleicht schon 10 einheimische Schmetterlinge und ihre Raupenfraßpflanzen benennen
Viel Spaß beim Entdecken wünscht Euch Euer Frank
(Die Abbildungen sind aus dem Buch: "Raupen und Schmetterlinge Europas" vom PAREY-VERLAG )